
Am 24. Juni 2026 jährt sich das Hochwasserereignis in Stadtlohn zum zehnten Mal. An die Ereignisse des Sommers 2016 erinnern sich viele Stadtlohnerinnen und Stadtlohner. Zugleich waren sie der Ausgangspunkt für zahlreiche Maßnahmen, mit denen die Stadt Stadtlohn den Hochwasserschutz in den vergangenen Jahren konsequent vorangetrieben hat.
Niederschläge hatte 2016 zunächst nur geringe Auswirkungen in Stadtlohn
Die starken Niederschläge in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2016 hatten zunächst nur geringe Auswirkungen in Stadtlohn. Am Vormittag des 24. Juni verschärfte sich die Lage jedoch innerhalb kürzester Zeit erheblich. Die Wassermassen der Berkel führten zu Überflutungen in mehreren Bereichen des Stadtgebiets. Innerhalb nur einer Stunde entwickelte sich die Situation dramatisch. Im Bereich Knubel füllte sich die tieferliegende Stelle der Landesstraße zunehmend mit Wasser, das aus der Kanalisation nach oben gedrückt wurde. Gerade dort hatte es bereits in den Jahrzehnten zuvor immer wieder Hochwasserprobleme gegeben. Auch ein Elektrogeschäft am Pfeifenofen war betroffen.
Überflutungen im Freibad und in der Losbergschule
Gleichzeitig trat die Berkel im Bereich der Uferstraße (jetzt Engelbert-Sundermann-Straße) am Losbergbad über ihre Ufer. Gebäudeteile des Freibades wurden überflutet, ebenso stand der Keller der Losbergschule unter Wasser. Ein regulärer Schulbetrieb war zunächst nicht mehr möglich. Auch die Fliednerschule war von den steigenden Wassermassen bedroht, hier wurde in kurzer Zeit ein Notdeich aufgeschüttet.
Beeindruckende Solidarität – 300 Helfer füllen Sandsäcke
Die Stadtlohnerinnen und Stadtlohner reagierten mit beeindruckender Solidarität. Mehr als 300 Menschen kamen am Busbahnhof zusammen, um Sandsäcke zu füllen. In die betroffenen Bereiche wurden damals tausende Sandsäcke transportiert und in Stadtlohn zum Schutz vor den Wassermassen platziert. Zeitgleich waren Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, DLRG, Rettungsdiensten, Polizei und weiteren Organisationen im Einsatz.
Systematische Aufarbeitung und Neubewertung des Hochwasserschutzes
Die Ereignisse führten zu einer systematischen Aufarbeitung und Neubewertung des Hochwasserschutzes in Stadtlohn. Erste Überlegungen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes hatten bereits seit dem Jahr 2011 bestanden. Nach dem Hochwasser von 2016 wurden diese Planungen jedoch mit besonderem Nachdruck weiterverfolgt. Außerdem brachte das Hochwasser Erkenntnisse, die in die Planungen einflossen.
Hochwasserschutz und städtebauliche Entwicklung kombiniert
Ein zentraler Baustein war der Erwerb der Berkelmühle. An der Stelle kombinierte die Stadt die notwendigen Hochwasserschutzmaßnahmen mit einer städtebaulichen Entwicklung des Mühlenplatzes. Das Hochwasserprojekt stellt bis heute das größte Investitionsvorhaben in der Geschichte der Stadt Stadtlohn dar. Insgesamt wurden seitdem viele Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt, begonnen oder geplant – unter anderem die Maßnahmen im Bereich der Berkelmühle mit dem Neubau des Berkelwehrs, die Hochwasserrückhaltung und ökologische Aufwertung an der Engelbert-Sundermann-Straße sowie die neue Harrier-Brücke.
Harrier-Brücke als neue Hochwasser-Drossel
Besonders die neue Harrier-Brücke erfüllt eine wichtige Funktion für den Hochwasserschutz. Sie wirkt als sogenannte Hochwasser-Drossel. Steigt der Wasserstand der Berkel über die Unterkante der Brücke an, wird das Wasser gezielt im bereits vorhandenen Überschwemmungsgebiet oberhalb der Brücke zurückgehalten. Dadurch können die vorhandenen Retentionsflächen entlang der Berkel effizient genutzt werden. Erst wenn dieses Rückhaltevolumen ausgeschöpft ist, strömt das Wasser über den angepassten Straßendamm und das Drosselbauwerk hinweg. Ziel der Maßnahmen bleibt es, die Risiken zukünftiger Hochwasserereignisse zu minimieren und gleichzeitig die Berkel als naturnahen Lebensraum weiter aufzuwerten. Weitere Informationen zu den bereits umgesetzten sowie den geplanten Maßnahmen finden Interessierte unter www.natuerlich-berkel.de.
